Sperrt Murdoch Google aus?

Lieber weniger Leser, dafür aber treue Leser – und zahlende Leser. So heißt die Devise, die Rupert Murdoch für´s Internet ausgibt. Er könne sich auch gut vorstellen, die Robots von Google und anderen Suchmaschinen auszusperren, sagt er im Interview mit  David Speers von Sky News. „Ich denke, wir werden es tun.“

Manche glauben allerdings, Murdoch bluffe nur, zum Beispiel Horizont-Redakteur Olaf Kolbrück:

„Denn für Murdoch ist Google nur scheinbar DER alleinige Gegner. Er spielt zugleich auch gegen alle anderen Mitwerber am medialen Tisch. Es mag Murdoch genügen, wenn diese ihre Karten und seine Pläne falsch einschätzen. Wenn sie dem Trendsetter glauben, dessen Paid-Content-Pläne sich schon verzögern, und auf eine murdochsche Verheißung zurennen, die ein Abgrund ist. Murdoch muss dann nur einen Schritt hinter ihnen bleiben. Denn abgerechnet wird zum Schluss.“

Okay, dass Murdoch weiß, wie man pokert, wird niemand bezweifeln. Aber abgesehen davon, dass die von ihm propagierte Paid-Content-Strategie beim Wall Street Journal  längst funktioniert: Warum sollte Murdoch eigentlich keine Lehren aus dem Gefangenendilemma  ziehen können? Warum nicht auch andere Verleger… ? 

Immerhin ist der Versuch, Journalismus im Web vollständig über Werbung zu finanzieren innerhalb eines Jahrzehnts zum zweiten Mal gescheitert. „Follow the Free“ heißt die einst von Kevin Kelly ausgegebene Parole, heißt – um Olaf Kolbrücks Bild aufzugreifen – der tiefe Abgrund, der die arme Netzeitung kurz vor ihrem zehnten Geburtstag verschlingen wird.

Das quicklebendige wsj.com hingegen bezieht über Google nur ein Viertel seines Traffics, wie Techcrunch auf der Basis von Schätzungen bei Hitwise  berichtet. 15 Prozent kommen demnach von Google Search,  12 Prozent von Google News. Den Wegfall der Laufkundschaft könnte Murdoch womöglich verschmerzen,  den Verlust seiner zahlenden Stammkundschaft eher nicht.

Weitere Kommentare zu Murdochs Plänen (nachgetragen am 11. Nov.):

Roy Greenslade, Why the Murdoch Paywall Construction Company raises competition concerns

„… it raises questions that competition regulators should surely investigate. Are the companies – and, perhaps, others, such as Trinity Mirror and Associated – working together to co-ordinate the building of paywalls? That might be ok, but what if they are planning to set a similar fee structure? Then there would be genuine reasons for regulatory concern because that would amount to the forming of a cartel.“

Bobbie Johnson: Murdoch could block Google searches entirely

„In recent months, Murdoch his lieutenants have stepped up their war of words with Google, accusing it of „kleptomania“ and acting as a „parasite“ for including News Corp content in its Google News pages. But asked why News Corp executives had not chosen to simply remove their websites entirely from Google’s search indexes – a simple technical operation – Murdoch said just such a move was on the cards.

´I think we will, but that’s when we start charging,´ he said. ´We have it already with the Wall Street Journal. We have a wall, but it’s not right to the ceiling. You can get, usually, the first paragraph from any story – but if you’re not a paying subscriber to WSJ.com all you get is a paragraph and a subscription form.´“

Martin Recke: Print ist die neue Musikindustrie

„Rupert Murdoch ist der heimliche Hoffnungsträger einer gebeutelten Printindustrie, die sich vor den düsteren Szenarien eines Jeff Jarvis fürchtet und deshalb lieber Murdoch zuhört. Hält Murdoch an seinen Plänen fest, Zweifel daran sind erlaubt, dann kommt es 2010 zum Showdown. Es wird sich sehr schnell zeigen, wer Recht behält. An dieser Frage hängt das Überleben einer ganzen Branche.“

Don Dahlmann: Murdoch

„Ich weiß gar nicht, ob die Idee von Murdoch, die Schotten dicht zu machen, so schlecht ist. (…) Bisher beruhte ein Grundgedanke im Netz auf zwei Dingen. Das ist Reichweite (also PIs) und der Grad der Verlinkung. Beides ist Quatsch, wenn es um den Grundgedanken der Qualität geht.“

Add comment 9. November 2009

Geistiges Eigentum

Die streckenweise ebenso weinerliche wie peinliche Debatte über einen Blogger namens Philip, dem die Journalistin Eva Schweitzer eine Abmahnung wegen Urheberrechtsverletzung schicken ließ, zeigte in den letzten Wochen, wie wichtig es für geistig arbeitende Menschen ist, ihre Rechte zu verteidigen. „World Wide Kindergarten“ nennt Ulf J. Froitzheim Diskutanten, die bei Spreeblick und Niggemeier erkennen ließen, dass niemand sie je mit elementaren Zitierregeln vertraut gemacht hat. Detlef Gürtler sah sich veranlasst, das Wort „Möbchen“ ins Lexikon aufzunehmen, um später in einem Nachtrag festzustellen, dass die Angriffe gegen die Journalistin eher perfide als putzig zu nennen seien. Bei netzwertig.com postete Marcel Weiss  einen Schlaumeier-Text  („Es gibt kein geistiges Eigentum“) und bekam von weissgarnix alias Thomas Strobl eine deutliche Antwort:

„Diese ganze Debatte über ´geistiges Eigentum´ ist … grundsätzlich verfehlt: Sie wird geführt von naiven Wohlstandskindern, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie als ´Nutzer´ aber nicht als ´Urheber´ auftreten bzw. von ihrer Urheberschaft nicht leben müssen.“

Stefan Webers Buch “Das Google-Copy-Paste-Syndrom“, das dieses Jahr in einer zweiten, erweiterten Auflage erschien, sei allen empfohlen, die glauben, es gehe hier bloß um einen Abwehrkampf saturierter Journalisten gegen junge Blogger. Weber zeigt, dass in Wirklichkeit auch Ausbildungssystem und  wissenschaftliches Arbeiten durch Netzplagiate und fröhliches „Remixen“ bedroht werden.

Dass  Google bei seinem laxen Umgang mit fremdem geistigen Eigentum in Sachen Book Settlement vorerst einen Dämpfer bekommen hat, ist zu begrüßen, wie Daniel Leisegang anmerkt.  Er schreibt in den Blättern für deutsche und internationale Politik über „Die Zukunft des Wissens“:

„Letztendlich wird es entscheidend darauf ankommen, das Gleichgewicht zwischen Gemeinwohl, dem Urheberrechtsschutz und dem privatwirtschaftlichen Verwertungsinteresse neu auszutarieren. Zwischen diesen drei Polen wird auch die Antwort zu finden sein, wer in Zukunft zu welchen Bedingungen über das ´Weltwissen´ verfügen darf.“

Add comment 8. November 2009

Liebe MEEDIA-Leute!

Klar, Regeln sind was für Spießer, und außerdem musste letzte Woche Halloween vorbereitet werden. Vielleicht habt Ihr auch neuerdings einen literarisch versierten Praktikanten, der den Lesern mit Hilfe Brechtscher Verfremdungseffekte das romantische Glotzen auf den Screen abgewöhnen will. Aber für den Fall, dass Ihr Euch Duden und Grammatikfibel einfach nicht leisten könnt, hier ein kleiner Gratis-Tipp: Man schreibt „Straße“ auch nach der letzten Rechtschreibreform immer noch nicht mit „ss“. Und: Ja, es ist zwar nicht sicher, dass der Genetiv das Internet überleben wird, aber gegenwärtig ist er bei Kennern noch in Gebrauch.

meedia.de+Strassemeedia.de+dativ

Add comment 31. Oktober 2009

Netznotizen, 45. KW

In der Berliner Zeitung sorgt sich Michael G. Meyer mit ein paar nachvollziehbaren Überlegungen um den Qualitätsjournalismus und schließt mit Peter Rühmkorf, der empfohlen habe „Bleib unerschütterbar und widersteh!“. Ach was! Rühmkorf hat natürlich „bleib erschütterbar“ gesagt in seinem wohl bekanntesten Gedicht. Aus reinem Schabernack! Um Jahrzehnte später Qualitätsjournalisten in die Pfanne zu hauen, die keine Zeit oder Lust zu einem simplen Fakten-Check bei Google haben.

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„Ach, es fällt einem manchmal schon schwer, den Qualitätsjournalismus zu verteidigen“ stellt Markus Reiter bei Klardeutsch fest.  “Zum Beispiel wenn die Frankfurter Rundschau auf eine Studie des DGB hereinfällt und alle, alle schreiben ab.“ Weiß der Himmel, welcher Teufel einen Menschen beim DGB geritten hatte, die Banalität groß herauszupusten, dass selbst Bildung gegen Arbeitslosigkeit keinen absoluten Schutz bieten könne – so zur Vernebelung der einfachen Tatsache beitragend, dass Bildung nachweislich der relativ beste Schutz ist und zudem positive Effekte für Individuen und Gemeinschaften hat, die nicht in Euro und Cent zu messen sind. Weiß der Teufel, was einen FR-Redakteur zu dem Geschwurbel motiviert hat, das Markus Reiter auseinandernimmt. Womöglich war Professor Christoph Butterwegge mit seiner von Daniel Daffke dokumentierten bildungspolitischen Standardphrase der Inspirator des gegenaufklärerischen Unfugs.

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Mit der Bildungsforscherin Maryanne Wolf hat die FAZ ein faszinierendes Gespräch geführt. Ihre These lautet, dass der Übergang von gedruckten zu digitalen Texten zum informationelles Lesen führe und letztlich Veränderungen im Gehirn bewirke. Sie habe bei sich selbst gewisse Veränderungen festgestellt:

„Mir wurde klar, dass ich als non-digital native zwar noch ein klassisches Lesegehirn habe, dass aber auch das in Gefahr ist. Ich hatte geglaubt, gegenüber dem digitalen Lesen immun zu sein. Ich dachte nie, dass ich jemals anders lesen würde, als ich es gelernt habe. Dann aber musste ich feststellen, mehr und mehr wie ein digital Eingeborener zu lesen. Also machte ich einen Test. Ich zwang mich, das Glasperlenspiel von Hermann Hesse zu lesen, das ich vor langer Zeit einmal gelesen hatte. Eine Tortur. Ich las dreißig Seiten, aber wie eine Maschine. Es war, als würde ich nur Informationen aufnehmen, ohne sie zu verarbeiten und darüber nachzudenken. Ich las wie ein Prozessor, ohne Gefühl, ohne Phantasie. Es war ein Schock.“

Maryanne Wolf sieht aber – man muss das ganze Interview lesen! – die Vorteile des „informationellen“ Lesens auch. Idealerweise müssten wir nach ihrer Ansicht imstande sein, zwischen den beiden Modi zu wechseln.

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Florian Dieckmann hat einen lesenswerten Rezensionssessay über das Buch der Medienökonomin Gisela Schmalz veröffentlicht, das vor einigen Monaten erschien (Titel: „No Economy. Wie der Gratiswahn das Internet zerstört“) und hier schon mal angesprochen wurde.  Trotz einiger Schwächen findet Florian Dieckmann das Buch bemerkenswert. Er widerspricht auch – ich finde zu Recht – dem Urteil, Gisela Schmalz sei eine Internetpessimistin, ein Urteil, das Matthias Schwenk in einer Rezension des Buches gefällt hatte.

Add comment 25. Oktober 2009

ACTA: Internetnutzung wächst schwächer

Die Allensbacher Computer- und Technik-Analyse (ACTA 2009) wurde letzten Mittwoch in München der Öffentlichkeit präsentiert. Die Untersuchung weist auf eine schwächer wachsende Internetnutzung hin. Da sich aber surrealistische Neigungen unter Investmentbankern und schwarz-gelben Finanzpolitikern dieser Tage deutlich ausprägen und obendrein auch der Karnevalsbeginn ins Haus  steht, wollte mancher Branchendienst nicht nachstehen und ertüftelte Headlines wie „Internetnutzung wächst weiter rasant“. 

meedia

www.meedia.de, 21. Oktober 2009

Breitband war in den letzten Jahren zweifellos der entscheidende Treiber der Entwicklung. Der durch DSL-Flatrates bewirkte außerordentlich kräftige Wachstumsschub schwächt sich nun anscheinend ab (mobile Nutzung kann dies nur partiell wettmachen). Sowohl die Nutzungsfrequenz, als auch die tägliche Nutzungsdauer – beide werden in der ACTA erhoben – sind jahrelang stark gestiegen, verharren laut ACTA 2009 aber ungefähr auf dem Niveau von 2008. Sie wachsen zwar noch etwas – aber deutlich schwächer als in den Jahren der stürmischen Expansion (siehe die Grafiken unten).

Zugang

Häufigkeit

Nutzungsdauer

Auch der Produzentenkreis für „user generated content“ wächst gegenwärtig kaum noch, wie Johannes Schneller vom Allensbacher Institut in seiner Präsentation zeigt (siehe Chart unten).

UGC_J.Schneller

Das Netz breitet sich – selbstverständlich – weiter aus. Aber weiterhin in Zyklen. Auf Phasen des rasanten Wachstums folgen Phasen einer ruhigeren Entwicklung und der Konsolidierung auf Seiten vieler „Content-Provider“.

Add comment 23. Oktober 2009

Kongress „Ökonomisierung der Wissensgesellschaft“

Kongress WissGesWie viel Ökonomie braucht und wie viel Ökonomie verträgt die Wissensgesellschaft? Diese Frage will der  interdisziplinäre Kongress „ Ökonomisierung der Wissensgesellschaft“ debattieren,  der vom 3. bis 5. Dezember an der Universität Leipzig zu deren 600. Geburtstag stattfinden wird. Die Veranstalter rechnen mit 500 bis 700 Teilnehmern, Gebühren werden nicht erhoben. Neben dem Programm und allen sonstigen Details sind auf der Website der Uni Leipzig auch die Abstracts vieler Referenten zu finden.

Organisiert wird der Kongress von der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Deren Dekan, Johannes Ringel,  erläutert im Grußwort:

„Gedanklicher Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass ökonomische Kriterien in den vergangenen Jahrzehnten eine immer größere Bedeutung bei der Gestaltung der Wissensgesellschaft gespielt haben. Viele der eingetretenen Entwicklungen sind begrüßenswert, aber nicht alle. Welche Rolle ökonomische Betrachtungen zweckmäßigerweise spielen sollten, wurde aus grundlegender Sicht erst in Ansätzen diskutiert. Die Tagung soll uns hier einen Schritt weiter bringen. Renommierte Referenten aus dem In- und Ausland werden dazu die angeführte Entwicklung aus der Sicht unterschiedlicher Fachrichtungen beleuchten und ihre Zweckmäßigkeit analysieren. In parallel laufenden wissenschaftlichen Foren wird die Thematik mit Bezug auf konkrete Aspekte der Wissensgesellschaft diskutiert.“

Add comment 22. Oktober 2009

Sind 16 Prozent viel oder wenig?

crowd„Noch kein Ende der Kostenlos-Kultur in Sicht“ – so hat der Branchenverband BITKOM die Pressemeldung überschrieben, in der er über jüngste Ergebnisse des Webmonitors von BITKOM und Forsa berichtet. Danach sind 16 Prozent der deutschen Internetnutzer grundsätzlich bereit, für Online-Artikel zu zahlen. 

Eine überwältigende Mehrheit von 84 Prozent will also journalistische Leistungen lieber zum Nulltarif beziehen. Dogmatische Gegner des Paid Content werden wohl die Forsa-Umfrage als Bestätigung ihrer Position deuten. Doch das wäre zu kurz gedacht.

Erstens sind es in absoluter Rechnung ja immerhin rund sieben Millionen, die ihre Zahlungsbereitschaft erklären. Damit hat man schon mal die Kernzielgruppe derjenigen, die gegenwärtig hochwertige gedruckte Publizistik kaufen. Zur Erinnerung: Spiegel und stern verkaufen zum Beispiel rund eine Million, die Zeit verkauft eine halbe Million Exemplare. Überregionale Qualitäts-Tageszeitungen wie FAZ und SZ liegen mit ca. 365.000 bzw. 444.000 darunter.

Zweitens handelt es sich bei den Zahlungsbereiten um Menschen mit höherer Bildung und höherem Einkommen. Das war schon in einer großen Markt-Media-Studie abzulesen, die über die Jahre hinweg die Zahlungsbereitschaft erhob und zuletzt exakt denselben 16-prozentigen Anteil ermittelte.  Auch der Webmonitor von BITKOM und Forsa ergibt nun, dass bereits jeder Vierte mit Abitur (27 Prozent) bekundet, prinzipiell zahlungsbereit zu sein.

Drittens drückt die Masse der professionell erstellten Gratisinhalte auf die bekundete  Zahlungsbereitschaft. Diese Gratisinhalte werden aber überwiegend durch Gewinne aus dem klassischen Mediengeschäft quersubventioniert. Sie werden, falls kein tragfähiges Web-Geschäftsmodell gefunden wird, mitsamt ihrer heutigen finanziellen Basis in dem Maße verschwinden, in dem Analoges durch Digitales verdrängt wird. Mit anderen Worten: Die Zahlungsbereitschaft wird zukünftig steigen.

Hinzu kommt noch, dass im Qualitäts-Segment, für das die oben genannten Titel beispielhaft stehen mögen, die Copypreise seit einem Jahrzehnt spürbar stärker als die allgemeinen Lebenshaltungskosten steigen, ohne dass die Auflagen ähnlich stark bröckeln, so dass per Saldo der Vertriebserlös wächst. Der hochwertige paid content des analogen Zeitalters gewinnt bei stagnierenden Realeinkommen im Einkaufskorb des Konsumenten an Bedeutung.

Womöglich gibt es also an der Schwelle zur vernetzten Wissensgesellschaft in Teilen der Bevölkerung Präferenzverschiebungen zugunsten der kulturellen Entwicklung (beispielsweise der verlässlichen Hintergrundinformation) und zu Lasten mancher Spielarten des physischen Wachstums (beispielsweise des PS-Protzes auf den Straßen).

16 Prozent sind, wenn man alle Umstände bedenkt, erstaunlich viel. Dass selbstverständlich nicht jede Art von Content im Netz verkauft werden kann, muss nicht ein weiteres Mal betont werden. Siehe hier und hier. Im Übrigen gilt auch in der Paid-Content-Debatte die Regel „Vorsicht Umfrage“. Die Forsa-Umfrage scheint seriös zu sein. Für eine zeitgleich im Vereinigten Königreich veröffentlichte Umfrage von Harris Interactive – dort gibt´s angeblich nur fünf Prozent Zahlungsbereite – lege ich meine Hand nicht ins Feuer.

Add comment 17. Oktober 2009

Vermögenspreisblasen und Konsum

Weil es in Deutschland nach der Jahrtausendwende keine Hauspreisblase gab, gab es zwischen 2003 und 2007 auch keine Scheinblüte des privaten Konsums. Und eben deshalb konnten die Konsumausgaben in der Krise bei uns – bisher – konjunkturstabilisierend wirken, während sie in vielen Ländern trotz der Abwrackprämien und sonstigen Stützungsmaßnahmen einbrachen.

Die Hauspreisblase in den USA ist wegen der Größe des amerikanischen Marktes unvergleichlich. Aber die Hauspreise sind in vielen der früh industrialisierten Länder bis 2007 noch wesentlich stärker als in der USA gestiegen. Das zeigt die Grafik unten, die vom McKinsey Global Institute stammt. Die realen Hauspreise sind zwischen 1970 und dem Ausbruch der globalen Krise 2007/2008 nirgendwo so exorbitant in die Höhe geklettert wie im Vereinigten Königreich und in Spanien.  

Häuserpreise int

Quelle: McKinsey Global Institute

Auffällige Ausnahmen bilden Japan und Deutschland, zwei Länder, in denen die Bevölkerung nicht nur besonders rasch altert, sondern auch bereits zu schrumpfen beginnt. In diesen beiden Ländern haben die Privathaushalte ihre Verschuldung in Relation zum Einkommen seit der Jahrtausendwende nicht auf-, sondern abgebaut. Das zeigt die untenstehende Grafik aus dem jüngsten Jahresbericht der BIZ (Bank für internationalen Zahlungsausgleich). Es gab in Deutschland und Japan keine Blase am Immobilenmarkt und daher auch keine Expansion der Immobilienkredite. In Deutschland stieg sogar die Sparquote nach 2001 leicht an, nicht zuletzt deshalb, weil die rot-grüne Regierung – Stichwort Riester-Rente – es als erste gewagt hatte, die negativen Folgen der lange bekannten demografischen Entwicklung mit der breiten Bevölkerung zu diskutieren.

BIZ

Quelle: Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)

Allerdings: Der Versuch der alternden Gesellschaften Deutschland und Japan,  durch Exportüberschüsse und Auslandskapitalanlagen für die Zukunft vorzusorgen, ist – obwohl im Prinzip vernünftig – infolge der globalen  Krise vorerst gescheitert. Denn die Deutschen haben, zugespitzt gesagt, für all die schönen Porsches und BMWs, die sie exportierten, im Gegenzug Lehman-Zertifikate bekommen. 

US-Konsumenten (und Konsumenten einiger anderer Länder) waren die falschen weil unseriösen Schuldnern. Es waren Schuldner, die mit Unterstützung von Banken und  Notenbanken jahrelang grandios über ihre Verhältnisse lebten. Eine der Konsequenzen liegt gegenwärtig darin, dass der private Konsum trotz aller staatlichen Stützungsmaßnahmen in den entsprechenden Ländern stark einbricht, während er – jedenfalls bisher – in Deutschland konjunkturstabilisierend wirkt.

Durch das Platzen der Vermögenspreisblasen bei Aktien und Häusern reduzierte sich nach Angaben der BIZ das Vermögen der US-Privathaushalte vom zweiten Quartal 2007 bis zum vierten Quartal 2008 um 20 Prozent, entsprechend 13 Billionen Euro. Die Einbuße war im Verhältnis zum Einkommen größer als die kumulierten Vermögenszuwächse der vorangegangenen fünf Jahre. „Auch im Euro-Raum“, stellt die BIZ fest, „wurden immer mehr Anlagekategorien und Länder in Mitleidenschaft gezogen, wobei die Vermögenseinbußen weit über das Niveau beim Aktienmarktcrash 2001 hinausgingen. Damals hatte der steigende Wert von Wohnimmobilien die negativen Effekte hoher Kursverluste am Aktienmarkt ausgeglichen.“ Letzteres galt aber, wohlgemerkt, nur für den Euro-Raum als Ganzes. In Deutschland fehlte mit der Hauspreisblase auch die Scheinblüte beim privaten Konsum.

Add comment 11. Oktober 2009

Datenmüll-Fallstudie: 2. Update

Hier noch ein Update zur Fallstudie über typischen Info-Müll: Die kleine Hamburger Kommunikationsagentur achtung! möchte das Social Media Marketing der potenziellen Kundschaft  beflügeln. Social Media werde zum Mainstream und könne nicht mehr ignoriert werden, heißt es auf der Website des Unternehmens.

Und weiter: Diese These

„wird durch verschiedene Studienergebnisse bestätigt: Das US-Fachmedium eMarketer zitiert etwa eine Untersuchung des Virtual Events Providers Unisfair, nach der 75 Prozent der US-Marketingverantwortlichen planen, den Anteil der Social Media am Gesamt-Marketing-Mix des nächsten Jahres zu erhöhen. Auch SEO, E-Mail-Kampagnen und virtuelle Events liegen mit jeweils rund 50 Prozent hoch im Kurs. Den Anteil von Print-Anzeigen dagegen wollen nur drei Prozent der Befragten erhöhen.“

Donnerwetter! Der kleinen Agentur gelingt es, sauber zu zitieren – im Unterschied zu professionellen Journalisten von FAZ und Horizont. Die Agentur nennt den Virtual-Events-Provider Unisfair korrekt als Urheber und eMarketer korrekt als Fundstelle. 

Die Qualität und Methodik der „Studie“ wird zwar auch von der Agentur achtung! nicht thematisiert.  Einer Firma, die mit den Daten bloß Kunden umwirbt, ist diese Unterlassung aber eher nachzusehen als einem Journalisten, der den Anspruch hat, seine Leser zu informieren.

Add comment 8. Oktober 2009

Acht Millionen bilden laut Verbraucher-Analyse das deutsche Mitmach-Web

Nach der jüngsten Verbraucher-Analyse (VA), die von den Verlagen Springer und Bauer herausgegeben wird, nutzen acht Millionen Deutsche ab 14 Jahre in irgendeiner Form die Möglichkeit, nicht nur Empfänger, sondern auch Sender im Netz zu sein. 

Soziale Netzwerke haben die meisten Teilnehmer. Knapp 5,6 Millionen geben an, ein Profil bei mindestens einem Anbieter zu führen. Blogdorf hat insgesamt 2,41 Millionen Einwohner. 2,23 Millionen lesen und kommentieren in Blogs, 590.000 führen einen eigenen Blog. An elektronischen Nachschlagewerken wie Wikipedia arbeiten 1,23 Millionen mit. Ähnlich groß ist mit 1,19 Millionen die Zahl der Aktiven, die Beiträge bei Videoplattformen wie YouTube einstellen. An Internetforen zu speziellen Themen arbeiten 1,11 Millionen, und  bei Foto-Communitys wie Flickr stellen 750.000 Personen ihre Bilder ein.

Unter Berücksichtigung der Überschneidungen ergibt sich insgesamt ein Potenzial von 7,96 Millionen Netzaktiven. Das entspricht immerhin rund 12 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahre. Allerdings werden die Aktivitäten hinsichtlich der Häufigkeit nicht qualifiziert. So wird der harte Kern der Blogger in Deutschland oft auf 200.000 Personen geschätzt – die VA weist ein fast dreimal so großes  Blogger-Potenzial aus.

SocialMedia.VADie VA misst andererseits eher konservativ, aus zwei Gründen: Erstens ist die repräsentative Stichprobe  mit ca. 32.000 persönlichen Interviews zwar sehr groß, die ältesten Interviews stammen aber vom Oktober 2007. Vor allem bei den Social Networks ist die Teilnehmerzahl seither weiter gewachsen. Zweitens stellt der Fragebogen der Studie auf Konsumgewohnheiten und Haushaltsführung ab, nicht auf Vernetzung, Technik und Gadgets. Das unterscheidet die VA sowohl von der Allensbacher Computer- und Technik-Analyse (ACTA), die demnächst neu erscheint, als auch von der ARD/ZDF-Onlinestudie, deren jüngste Fassung im Sommer herauskam.  

Die VA reagiert wegen ihres „rollierenden Systems“ vergleichweise träge auf Veränderungen, doch muss dies nicht heißen, dass Potenziale immer unterschätzt werden. Gerade die jüngste ARD/ZDF-Onlinestudie weist darauf hin, dass es verfehlt wäre, einen stetigen Anstieg aller Netzaktivitäten zu unterstellen und Wachstum der Vergangenheit einfach zu extrapolieren. So hatte die (aktive und passive) Blognutzung laut ARD/ZDF  ihren Höhepunkt im Jahr 2007 erreicht.

Überhaupt dämpfen die Forscher der Öffentlich-Rechtlichen übertriebene Erwartungen, die von manchen Netz-Evangelisten mit Buzzwords wie Web 2.0 und Social Media geschürt werden: „Unter den meisten Nutzern“,  schreiben Katrin Busemann und Christoph Gescheidle in Media Perspektiven 7/2009, „vollzieht sich (noch) keine Verhaltensänderung weg vom Abrufmedium, hin zum Partizipationsmedium.“

Unter demokratietheoretischen Erwägungen mag man das bedauern. Die Nutzanwendung der VA liegt im Marketing, und die hier genannten Daten sind natürlich speziell für das so genannte Social Media Marketing von Interesse. Schon der Blick auf die Demografie lässt ahnen, dass der neueste Buzz nicht für jede Marke taugt, und die differenzierten Daten zur Marken- und Mediennutzung würden manchen Social -Media-Berater wohl erst recht verblüffen.

  • Während in Social Networks ungefähr Geschlechterparität herrscht, dominieren bei anderen Web 2.0-Aktivitäten die Männer mit Anteilen zwischen 60 und 67 Prozent. In speziellen Foren und bei Wiki-Plattformen fällt der Männeranteil mit 67 bzw. 65 Prozent besonders hoch aus. In der Gesamtheit der acht Millionen Netzaktiven haben die Social Networks ein hohes Gewicht. Hier hat man es mit 56 Prozent Männern und 44 Prozent Frauen zu tun.
  •  Die Altersgruppe 50-plus stellt 46 Prozent der Bevölkerung, aber nur 9 Prozent der Netzaktiven.  Selbst die 30- bis 49-Jährigen sind noch unterrepräsentiert. Stark überrepräsentiert sind dagegen Jugendliche und Twentysomethings. Ihr Anteil fällt bei den acht Millionen Netzaktiven dreimal so hoch wie in der Bevölkerung aus. Bei sozialen Netzwerken (72 Prozent) und Videoplattformen (73 Prozent) sind sie noch mehr überrepräsentiert, bei Wikipedia (44 Prozent) hingegen weniger.
  • Schüler, Studenten und Azubis stellen 40 Prozent der aktiven Web-Zwo-Nuller, und dementsprechend liegt das eigene Einkommen (nicht das Haushaltseinkommen!) unter dem Durchschnitt. Die Netzaktiven stammen noch immer noch zu einem überproportionalen Teil aus oberen Sozialschichten, wenngleich DSL, Video und Social Networks in den letzten Jahren die mittleren und unteren Schichten aufholen ließen.

Falsch ist die oft zu hörende Behauptung, Web 2.0-Aktivisten seien über Printmedien kaum noch erreichbar. Sie sind sogar besser als andere zu erreichen. Nimmt man zum Beispiel die 15 meistgelesenen Zeitschriften, so weisen mit Ausnahme der Fernsehzeitschriften Hörzu und TV 14 alle diese Zeitschriften (u.a.  stern, Spiegel, Focus, GEO, Computer Bild, Chip, Sport Bild, Kicker, Bravo) höhere – teilweise wesentlich höhere – prozentuale Reichweiten bei den acht Millionen Netzaktiven auf als in der Gesamtbevölkerung.

Add comment 8. Oktober 2009

Datenmüll wandert von der FAZ in die Fachpresse weiter

Horizont.1Wie ich sehe, ist der mehrfach „verbriefte“ und umetikettierte amerikanische Datenmüll über angeblich geplante Social Media-Investitionen – die Einzelheiten sind hier und hier nachzulesen – in der deutschen Marketingfachpresse schon angekommen, genauer gesagt, in der Wochenzeitung Horizont.

In der aktuellen Horizont-Ausgabe findet sich ein Beitrag von Olaf Kolbrück mit der Überschrift „Nächster Klick: Abverkauf“. Es geht um Facebook und andere Social Networks. Die vom FAZ-Redakteur Holger Schmidt importierten Nonsens-Informationen tauchen Eins-zu-Eins hier wieder auf (siehe Ausriss).

Horizont

aus: Olaf Kolbrück, Nächster Klick: Abverkauf, Horizont, 1.10.09

Theoretisch ist möglich, dass Olaf Kolbrück zufällig genauso wie Holger Schmidt gearbeitet hat. Wahrscheinlicher ist aber, dass der Horizont-Redakteur dem FAZ-Redakteur vertraute und dessen Fehlinformation ungeprüft übernahm. Der weiteren Diffusion des US-Datenmülls bei Marketing- und Media-Entscheidern steht damit leider nichts mehr im Wege.

Holger Schmidt hat seinen Fehler nicht nur nicht korrigiert, sondern meinen (absolut sachlich formulierten) Kommentar in seinem eigenen FAZ-Blog sogar gelöscht.  Nur in FAZ.net selbst ist der Kommentar freigeschaltet worden.

2 comments 5. Oktober 2009

Kleine Fallstudie: Wie mit Datenmüll ein Hype angeheizt wird

Die globale Finanzmarktkrise hat bekanntlich ihre Wurzeln in einer gigantischen Blase am US-Häusermärkt. Die in Erwartung ewigen Hauspreisanstiegs von US-Banken vergebenen NINJA-Kredite (NINJA steht für No Income, No Jobs or Assets) wurden über mehrere Verbriefungsstufen unkenntlich gemacht, neu abgemischt, mit wohlklingenden Namen versehen und massenhaft nach Deutschland verkauft.

Mit amerikanischem Datenmüll verhält es sich manchmal ähnlich. In der größten Medienrevolution seit Gutenberg, in der wir uns seit zwei Jahrzehnten befinden, kommt es immer wieder zur Bildung größerer und kleinerer Blasen. Übertriebene Prognosen tragen zur Blasenbildung erheblich bei. Seit man selbst mit einfacher Blogsoftware (Danke WordPress!) im Web ein paar Umfragedaten bei den Surfern einholen kann, werden neben wertvollen Informationen auch ungeheure Mengen von Datenmüll produziert. Teils aus Unbedarfheit, teils aus Interesse und kühl kalkuliertem Gewinnstreben.

Daten aus dem Bermuda-Dreieck

Für die Mechanismen der Verbriefung und Verbreitung von Datenmüll scheint mir der Fall Unisfair/eMarketer/FAZ exemplarisch zu sein, auf den ich neulich schon mal hingewiesen habe.

Der Fall wird Folgen haben. Circa ein Jahr lang wird bei jedem Marketing-Kongress und jedem Barcamp irgendein Guru ausrufen, dass sage und schreibe drei Viertel der US-Unternehmen mehr Geld in Social Media investieren wollen. Und nur drei Prozent mehr in Zeitungswerbung. Stimmung wird gemacht, Druck wird erzeugt, Herdenverhalten wird gefördert.

Im Marketing, wird sich mancher Marketingleiter sagen, sind die Amis immer vorn. Und vorsichtshalber Geld in Social Media investieren. In Zeitungen dafür weniger. Auch bei der FAZ wird man sich womöglich dann bald Haare raufend fragen, warum die Anzeigenumsätze schon wieder zurückgegangen sind.  

Weil dieser Fall – obwohl für sich genommen keine große Sache – so typisch ist für riesige Mengen von Datenmüll und PR-Schrott, versuche ich ihn, so gut es mit begrenzten Recherchemöglichkeiten geht, zu dokumentieren. Mir geht´s primär um das Verständnis der Mechanismen, nicht um Vorwürfe an die Beteiligten. Ähnlich wie bei der Finanzmarktkrise summieren sich lässliche Sünden Einzelner erst per Saldo zu größeren Schadenspotenzialen.

 Unisfair,  Menlo Park, Kalifornien, 14. September 2009

UNISFAIRUnisfair, ein kleiner Spezialanbieter für virtuelle Kundenveranstaltungen (Live-Chats im Internet u.ä.), die im Rahmen von Social Media Marketing eingesetzt werden, kündigt via Pressemeldung ein neues Produkt an und nennt, um dessen Bedeutung zu betonen, einige Zahlen über geplante Marketingmaßnahmen, die aus einer Umfrage bei gut hundert Marketingverantwortlichen stammen sollen. Drei Viertel der Marktingverantwortlichen wollen demnach mehr in Social Media werben. Wer und wie gefragt wurde, sagt die Pressemeldung nicht. Vielleicht hat Unisfair seine eigenen Kunden einen kleinen Fragebogen ausfüllen lassen. Oder eine Umfrage auf der Firmenwebsite veranstaltet, bei der jeder mitmachen konnte. Wir wissen es nicht. Alle Erfahrung lehrt allerdings, dass es sich praktisch immer um  wertlosen Datenmüll handelt, wenn ein Absender vermeintlicher MaFo-Daten keinerlei Angaben über Stichprobe, Grundgesamtheit und Erhebungsmethode macht. Außerdem: Es macht stutzig, dass von sieben abgefragten Marketing-Mix-Tools  zwei sehr spezielle Tools (virtual events, conferences) zum Kerngeschäft von Unisfair gehören (siehe Grafik unten).

eMarketer, New York, 21. September 2009

Die Pressemeldung von Unisfair stößt  bei eMarketer auf Interesse. Ein Team von sieben Mitarbeitern ist bei eMarketer permanent damit beschäftigt, Daten aus weltweit mehr als 3.000 Quellen (so die Eigenwerbung) zu eigenen Reports, Artikeln, Präsentations-Charts, Newslettern weiterzuverarbeiten. Dieses Material wird teils auf der Website gratis veröffentlicht, teils im Abonnement verkauft. Nach eigenen Angaben hat eMarketer 500 zahlende Firmenkunden, darunter viele Medien. Primärmarktforschung betreibt eMarketer, soweit ersichtlich, nicht.

eMarketer21.9.

Aus den Daten von Unisfair erstellt eMarketer einen kleinen Artikel mit drei Balkengrafiken, darunter die Grafik links. Unisfair wird korrekt als Quelle genannt, dazu sogar das Datum. Hinweise auf die Erhebungsmethode werden auch von eMarketer nirgends gegeben. Während aber in der Pressemeldung von Unisfair noch konkret  „more than 100 marketing professionals“ als Prozentuierungsbasis genannt wurden, sind daraus bei eMarketer allgemein „US Marketers“ geworden. Die Analysten von eMarketer suggerieren damit, die Daten seien für alle US-Unternehmen repräsentativ. Schließlich gibt es kaum Unternehmen, die nicht zumindest in rudimentärer Form Marketing betreiben.  Am 21. September stellt eMarketer den Artikel mit Unisfair-Material auf seiner Website gratis zur Verfügung.

 Das ist sozusagen die erste Verbriefungsstufe. Ohne eMarketer hätten die Zahlen von Unisfair kaum eine Chance in die internationale Umlaufbahn zu gelangen.  Das Wall Street Journal  und die New York Times verbreiten keine amerikanischen Umfragedaten, wenn man ihnen keine methodische Beschreibung dazu liefert. Das Kleinunternehmen eMarketer besteht immerhin schon seit den 1990er Jahren und hat eine gewisse Reputation erworben – wenngleich dieser Fall klar darauf hindeutet, dass Datenquantität für eMarketer vor Datenqualität geht. eMarketer agiert offenbar im Datenmarkt ein bisschen wie die Rating-Agentur im Finanzmarkt. Man drückt ein Auge zu, wenn man mitverdient.

FAZ-Wirtschaftsredaktion, Frankfurt am Main, 28./29. September 2009

Nun kommt Holger Schmidt ins Spiel, der sich “Netzökonom“ nennt, in der Blogger- und Twitterszene einen Namen hat und als Redakteur im Wirtschaftsressort der Frankfurter Allgemeinen Zeitung arbeitet. Am 28. September veröffentlicht Schmidt einen Beitrag unter der Überschrift „Soziale Netzwerke vor der Gewinnschwelle“ – zunächst bei FAZ.net, am Tag darauf auch in der gedruckten FAZ. Tenor: Social Media wie Facebook, StudiVZ, YouTube und Co. würden für die Werbewirtschaft nun immer interessanter werden.

Die Daten von Unisfair, die Schmidt bei eMarketer gefunden hat, passen natürlich bestens zu diesem Tenor. Schmidt lässt die obige Grafik im FAZ-Layout nachbauen und verändert die Quellenangabe. Nicht mehr Unisfair, sondern nur noch eMarketer gibt er als Quelle an. Sauberes Handwerk ist das nicht. Es ist ungefähr so, als würde die New York Times fürs deutsche Wirtschaftswachstum das Pinneberger Tageblatt als Quelle nennen, bloß weil dort mal BIP-Daten abgedruckt waren.

Aus Holger Schmidts Sicht mag die Umetikettierung von Vorteil sein. Unisfair würde wohl bei deutschen Lesern Stirnrunzeln auslösen. eMarketer klingt besser und hat eine gewisse Bekanntheit bei Insidern. Im Fließtext gibt Schmidt zusätzlich die (Falsch-)Information, das „Marktforschungsunternehmen Emarketer“ (die falsche Schreibweise ist wohl ein Versehen der FAZ) habe „amerikanische Werber nach ihren Plänen für das kommende Jahr befragt“. 

Nun ist der amerikanische Datenmüll auf der zweiten Verbriefungsstufe angekommen. Er wird für die deutsche Marketing- und Internetszene dank des guten Rufes der FAZ quasi mit dem AAA-Rating versehen.

Bullshit Bingo

Wie beim Bullshit Bingo kann jetzt jeder mitzählen wie oft ihm das wishful thinking einer Internetklitsche aus dem Silicon Valley in Zukunft als Erkenntnis seriöser Marktforschung serviert wird. Der Erste, der mir zehn Quellen für die unkritische Weiterverbreitung dieser Unisfair-Zahl in Deutschland nachweisen kann, schicke mir eine Mail mit der Betreffzeile Bullshit. Er bekommt eine Flasche Schampus. Ein bloggender Mediaberater ist, wie ich eben sehe, mit dem Datenmüll der FAZ-Grafik schon unterwegs (siehe unten).

Datenschrott.1

Auch Falsch-Infos breiten sich viral aus

2 comments 1. Oktober 2009

Wie aus der Pressemeldung einer kalifornischen Klitsche in der FAZ eine „Studie“ wird

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung gehört zweifellos zu den weltweit besten Zeitungen, und sie neigt im Allgemeinen nicht dazu, dubiose Studien durch FAZ-Grafiken zu adeln. Es sei denn, es geht ums Internet.

eMarketerIm Artikel „Soziale Netzwerke vor Gewinnschwelle„, verfasst vom „Netzökonomen“ Holger Schmidt, findet der Leser die nebenstehende Grafik über eine Umfrage unter Marketingverantwortlichen in den USA. Wer die Studie in Auftrag gegeben hat, wie viele Leute mit welcher Methode befragt wurden, ob die Studie repräsentativ ist und wenn ja für wen – das alles hat wohl nach Ansicht der FAZ den Leser nicht zu interessieren. Anscheinend reicht es dem FAZ-Journalisten Schmidt aus, dass die Daten den Tenor seines Artikels stützen. Schmidt schreibt:

 “Das (gemeint ist die wachsende Akzeptanz sozialer Netzwerke in der Werbewirtschaft, d. Verf.) bestätigt das Marktforschungsunternehmen Emarketer, das amerikanische Werber nach ihren Plänen für das kommende Jahr befragt hat. Danach wollen drei von vier Werbern ihre Ausgaben in den sozialen Netzwerken erhöhen. Mit großem Abstand auf Rang 2 folgen Werbeausgaben in Suchmaschinen. In klassische Online-Werbung wollen 28 Prozent der Werber mehr Geld investieren.“

Den merkwürdigen Umstand, dass von den klassischen Medien einzig die Zeitungen in der Grafik aufgeführt werden, TV, Radio und Zeitschriften hingegen nicht, findet der “Netzökonom“ nicht erklärungswürdig. Ebenso wenig wie die geheimnisvolle Konferenzexpansion. 16 Prozent wollen mehr Konferenzen machen? Hä?

Diesem Geheimnis kommt auf die Spur, wer die Website von eMarketer aufsucht, der angeblichen Quelle der Untersuchung. eMarketer ist aber gar nicht die Quelle, sondern rühmt sich, Daten aus 3.000 verschiedenen Quellen auf seiner Website zu aggregieren. Als Quelle für die FAZ-Grafik gibt eMarketer ein Unternehmen namens Unisfair an. Unisfair sitzt im kalifornischen Menlo Park, hat nach eigenen Angaben 65 Mitarbeiter und bezeichnet sich als „leader in virtual event solutions for engaging with customers“. Unisfair ist also ein Anbieter für das so genannte Social Media Marketing, und jetzt begreift man auch, was die Konferenzen und virtuellen Veranstaltungen in der FAZ-Grafik zu suchen haben. Sie gehören zum Kerngeschäft von Unisfair.

Die von der FAZ-Grafik zitierte “Studie“ ist nur Beiwerk zu einer von Unisfair am 14. September mit dieser Pressemeldung verkündeten Produktneuheit („… announces the availability of its latest platform release. It features social media capabilities, such as Skype integration, enabling live voice and video chat.“) In der Pressemeldung erfährt man zur Methode der Studie nur, dass irgendjemand irgendwie „mehr als 100 Marketingleute“ befragt habe:

„To complement the new release – and in an effort to better understand the needs of marketers – Unisfair conducted an original survey of more than 100 marketing professionals, inquiring about their plans for 2010.

Based on the results, virtual events will play a significant role in the 2010 marketing mix, with 48 percent of marketers planning to increase their use of virtual events in the coming year (…)

Other findings included:

Marketers will be increasing social media outreach (75 percent), SEO efforts (51 percent) and email campaigns (49 percent) in 2010.

Das ist alles. Das ist die ganze “Studie“. Die ehrwürdige FAZ setzt ihren Lesern die PR einer kalifornischen Klitsche als seriöse Marktforschung vor. Die Verkettung mit eMarketer ähnelt der Verbriefung von Schrottkrediten bei der Häusermarkt-Blase. Es ist nicht das erste Mal, dass mich der Rückgriff auf halbseidene „Studien“ in der Internet-Berichterstattung der FAZ ärgert. Es sind wie zufällig immer solche „Studien“, die den gerade aktuellen Internet-Hype befeuern. Mancher Journalist ist nach meinem Geschmack zu sehr Evangelist.

Der Mangel an kritischer Distanz erinnert mich ein wenig an das, was der leider zu früh verstorbene Peter Glotz vor zehn Jahren in seinem Buch über den „digitalen Kapitalismus“ notierte:

„Kein Zweifel, es entsteht eine neue Welt. Aber wie, zum Teufel, entkommt man den korrupten Hochrechnungen, mit denen die Public-Relations-Agenten der börsennotierten Start-Ups die Welt verrückt machen wollen?“

Nun sind social networks wie Facebook, um deren wirtschaftliche Perspektive es in Holger Schmidts Artikel hauptsächlich geht, bekanntermaßen nicht börsennotiert. Die kürzlich überraschend auftauchende Meldung über einen zeitweise positiven cash flow bei Facebook könnte allerdings damit zu tun haben, dass die momentan gute Börsenstimmung möglichst rasch für einen Facebook-Börsengang genutzt werden soll. Bevor es an der Wall Street wieder kracht. Auf diese Möglichkeit haben manche Jourmalisten ihre Leser auch hingewiesen.

Nachtrag:

Auf meine Kritik unter dem Artikel bei FAZ.NET hat FAZ-Redakteur Holger Schmidt folgendes geantwortet:

„Die in der Grafik gezeigten Umfrageergebnisse decken sich mit anderen Umfragen und Analysen, zum Beispiel von Forrester. Die Ergebnisse, dass die Werbung in sozialen Medien am schnellsten steigt, sind identisch. Diese Umfrage war lediglich besonders aktuell.“

Lediglich? Es war eine Falschinformation, dass ein Marktforschungsinstitut namens eMarketer eine Umfrage unter US-Marketingverantwortlichen durchgeführt habe. Die FAZ hat hier offensichtlich wertlosen Datenschrott ohne jede Repräsentativität verbreitet.

Seit der Großen Tulpenmanie sind im Übrigen gute Wirtschaftsjournalisten  vorsichtig, wenn alle Blumenfreunde dasselbe erwarten.  Dass man auch und gerade gegenüber Forrester-Prognosen eine kritische Distanz wahren sollte, habe ich hier früher schon empfohlen.

Add comment 29. September 2009

Salaverrías „Gesetz der Bezahlinhalte“

Die Debatte über die Finanzierung von Netzangeboten verlief  in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren zyklisch – darauf wurde in diesem Blog schon mehrmals eingegangen. Zum Beispiel hier und hier.

Bei Thorstena finde ich nun einen interessanten Hinweis auf die Darstellung eines spanischen Journalistikdozenten namens Ramón Salaverría. Der setzt das BIP-Wachstum westlicher Länder und die Zahl der Paid-Content-Initiativen seit 1996 zueinander in Beziehung, um ein „Gesetz der Bezahlinhalte“ zu formulieren. In der Übersetzung aus dem Spanischen  (besorgt von Thorstena)  lautet es:

“Die Zahl der Initiativen, um Bezahlinhalte in digitalen Medien zu installieren, ist umgekehrt proportional zur Entwicklung des BIP in den westlichen Ländern.”

BIP und Paid Content

Quelle: e-periodistas.weblog, cc-Lizenz. via Thorstena

Dahinter steht die starke Konjunkturabhängigkeit der Werbeinvestitionen, aber auch die schweinezyklisch verlaufende Entwicklung der ursprünglich auf Werbefinanzierung ausgerichteten Netzangebote.

1 comment 20. September 2009

Web 2.0 heißt jetzt „Social Media“

Web 2.0 heißt jetzt Social Media, sonst ändert sich nix. Wenn ein Buzzword anfängt zu langweilen, wird schnell eine neue Wortsau durchs Dorf getrieben.

Das Chart zeigt im unteren Teil, wie oft die beiden Begriffe in Deutschland bei Google News vorkamen – hier liegt Social Media schon vorn – und im oberen Teil, wie oft beide Begriffe als Suchbegriff eingegeben wurden. Als Suchbegriff rangiert momentan noch Web 2.0 vorn, aber das wird sich bald ändern. Unter „Social Media Revolution“ häufen sich bei YouTube  die Videos, die den umetikettierten Hype anheizen sollen und von quasi-religiösem Erweckungseifer zeugen.

Germany

Social Media stellt genauso wie Web 2.0 auf die durch das Internet gewachsenen Partizipationsmöglichkeiten ab, auf das Mitmach-Web – im Grunde auf jenes Ideal, das Bert Brecht schon in seiner „Radiotheorie“ der 1930er Jahre skizziert hatte: Jeder Empfänger kann auch Sender sein.

Während Web 2.0 nichtssagend war (aber pfiffig als Marketing-Label), ist es semantisch problematisch von „sozialen Medien“ zu sprechen. Medien haben immer soziale Funktionen. Es macht keinen Sinn, „soziale Medien“ und Massenmedien gegenüberzustellen. Wikipedia tut dies trotzdem, zieht als Unterscheidungsmerkmal dann aber Kosten und Markteintrittsbarrieren heran:

„Social Media sind von Massenmedien, wie z.B. Zeitung, Fernsehen und Film zu unterscheiden. Während Social Media relativ kostengünstig und zugängliche Werkzeuge für Veröffentlichungen für jedermann (auch Privatpersonen) sind, erfordern Massenmedien umfängliche Ressourcen um Veröffentlichungen zu realisieren.“

dmexco

Alles Bio? Warum stellt die construktiv GmbH eine Kuh neben ihr Logo? Oder ist es ein Schaf?

Der sprachsensible Werber Ralf Schwartz meidet den Begriff Social Media und spricht von Social Networking statt von Social Media Marketing. Soziale Netzwerke gab es immer schon; zu Goethes und Schillers Zeiten pflegte man sie mit Hilfe der Postkutsche, heute gibt es Facebook und Twitter. Das Prinzip ist unverändert, die Technik ist neu.

„Märkte sind Gespräche“ hieß eine der klügeren Thesen des Cluetrain-Manifests von 1999.  Das hätte auch der alte Domizlaff  sagen können. Der wusste allerdings noch ganz genau, dass der Umkehrschluss nicht gilt, dass längst nicht alle Gespräche Märkte sind respektive sein wollen. Manche, die emsig an der Kapitalisierung von Blogs und Social Networks arbeiten, haben mit dieser einfachen Wahrheit große Probleme, wie immer wieder festzustellen ist.

Dirk Engel, Forschungsleiter bei der Mediaagentur Universal McCann in Frankfurt, verweist auf Erfahrungen, die Vodafone kürzlich machen musste, und erklärt in der Septemberausgabe von media spectrum:

 “Je aktiver und involvierter die Gruppen der Social- Media-Nutzer sind, desto kritischer und skeptischer  werden sie gegenüber allen Marketing-Maßnahmen, die sie von oben herab wie manipulierbare Konsumenten behandeln.“

Es ist, glaube ich, sogar noch „schlimmer“: Manche wollen manchmal überhaupt nicht als Konsumenten angequatscht werden, auch nicht als aufgeklärte Konsumenten von der Seite.

Lesenswerte Blog-Lektüre:
Klaus Eck: Unternehmen wollen in Social Media nicht nur spielen
Ralf Schwartz: Vodafone, Berater und der Mythos Social Media
Harald Taglinger: Lügen haben große Netze

Add comment 20. September 2009

Benji Lanyados Manifest-Version

Der britische Journalist Benji Lanyado liefert in seinem Blog eine auf das Wesentliche reduzierte englische Version des berühmten Internet-Manifestes:

1) The internet is different to newspapers. Deal with it.
2) You don’t have to be Billy Big Paper to do journalism any more, anyone can do it.
3) Billy Big Paper should get into Facebook and stuff. The kids love it.
4) Note to Russia and China: Enough blocking the internet already.
 5) There is loads of stuff on the internet.
6) On the internet you can change stuff after you’ve written it. Which is great.
 7) Link to stuff, it’s really good when you do that.
8 ) Same as above. And by the way, Google is God.
9) There are lots of people on the internet. Talk to them.
10) See rule 2)
11) Quantity is an excellent thing. Make lots of things and put them on the internet.
12) Your old business model is rubbish. Change it.
13) Don’t charge for content.
14) See rule 12)
15) Don’t delete things.
16) Quality is king. Forget what we said in 11)
17) A good journalist listens as well as talks, despite the fact that no crowdsourcing was involved during the making of this declaration.
18) Dum de dum de daa bla bla antidisestablishmentarianism bla bla and so on and so forth la la la. [Oops, I added one at the end.]

via wirres net und  Kaliban

Add comment 14. September 2009

Currywurst-Manifest usw.

ManifesteQuelle: BULO

Add comment 11. September 2009

Weiterpumpen

Schuldenlast„Schulden erdrücken EU-Staaten“, titelte gestern die FTD, und „Amerika wird sparsamer“, überschrieb ein Kommentator seine Überlegungen in der FAZ. Die FTD bezog sich auf Berechnungen der EU-Kommission, denen zufolge die Verschuldung  vieler EU-Staaten 2020 zwei-bis dreimal so hoch sein wird wie die Maastricht-Kriterien erlauben. Die FAZ rekurrierte darauf, dass die amerikanischen Konsumenten ihre hohe Verschuldung bei Banken und Kreditkartenunternehmen schneller als gedacht abbauen. Das sei jedoch  für alle, die auf eine schnelle Wirtschaftserholung setzten, keine gute Nachricht, meinte der Kommentator zu recht. 

(mehr…)

Add comment 11. September 2009

Das Internet-Manifest – eine Anmaßung

ManifestQuelle: BULO

15 wichtige Leute, die mit Online-Journalismus ihren Lebensunterhalt verdienen (wer lacht da?), haben jetzt mal aufgeschrieben, wie Online-Journalismus wirklich funktioniert: in einem Internet-Manifest. (mehr…)

3 comments 9. September 2009

Weltwirtschaftskrisen im Vergleich

Die  Ökonomen Barry Eichengreen (Berkely) und Kevin H. O´Rourke (Dublin) haben erstmals im April dieses Jahres ihre vielbeachteten Vergleichsdaten für die „Große Depression“ und die gegenwärtige Wirtschafts- und Finanzkrise veröffentlicht. Jetzt liefern sie ein Update

Als Startpunkte der Betrachtung nehmen sie konjunkturelle Höhepunkte im Juni 1929 und April 2008.  Verschiedene Indikatoren der Wirtschaftsentwicklung werden dann auf die Werte dieser Startmonate indexiert.

Die Weltindustrieproduktion zeigt in diesem Sommer Erholungstendenzen, die es zum entsprechenden Zeitpunkt der Great Depression nicht gab. Dennoch so, Eichengreen und O´Rourke, sei eine double-dip-recession nicht auszuschließen für den Fall, dass der von einem niedrigen Niveau aus wieder steigende Industrieoutput zu stark in den Lageraufbau gehe statt in den Konsum.

Weltindustrieproduktion

Add comment 5. September 2009

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